In der Welt des Hochleistungssports und des Wettkampf-Bodybuildings beinhaltet das Streben nach maximaler körperlicher Verfassung oft komplexe physiologische Kompromisse. Während der Fokus stark auf Muskelhypertrophie und -regeneration liegt, trägt das Herz-Kreislauf-System häufig eine schwere, unsichtbare Last. Für Sportler, die leistungssteigernde Substanzen verwenden, ist die Herausforderung nicht nur "hoher Blutdruck" im traditionellen Sinne, sondern eine systemische Verschiebung der Blutzusammensetzung, die als sekundäre Polyzythämie bekannt ist.
Der Mechanismus: Blutdruck vs. Blutdichte
Bei einem gesunden Sportler wird der Blutdruck durch die Leistung des Herzens und den Widerstand der Blutgefäße reguliert. Bestimmte Trainingsprotokolle und pharmakologische Hilfsmittel können dieses Gleichgewicht jedoch über zwei Hauptwege stören:
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Wasser- und Natriumretention: Einige Substanzen ahmen Aldosteron nach, ein Hormon, das den Körper dazu veranlasst, Salz und Wasser einzulagern. Dies erhöht das Gesamtvolumen des Blutes im System und zwingt das Herz, härter gegen einen höheren Druck zu pumpen.
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Erhöhte Erythropoese (Produktion roter Blutkörperchen): Viele Leistungshilfen stimulieren die Produktion roter Blutkörperchen (RBCs). Dies kann zwar kurzfristig die Sauerstoffversorgung verbessern, führt aber letztendlich zu Hyperviskosität – wodurch das Blut "dickflüssig" wird.
Wenn die Konzentration der roten Blutkörperchen (Hämatokrit) deutlich ansteigt, verhält sich das Blut eher wie Sirup als wie Wasser. Dieses dickflüssige Blut benötigt mehr Kraft, um sich durch die Kapillaren zu bewegen, was den Blutdruck auf natürliche Weise erhöht.
Das Stickoxid-Defizit
Eine der kritischsten Nebenwirkungen hoher Hämatokritwerte ist die Unterdrückung von Stickoxid (NO). Stickoxid ist ein Gas, das vom Endothel (der inneren Auskleidung der Blutgefäße) produziert wird und den Gefäßen signalisiert, sich zu entspannen und zu erweitern (Vasodilatation).
Mit zunehmender Blutdichte verändert sich die Scherkraft an den Gefäßwänden, was häufig die natürliche Freisetzung von NO beeinträchtigt. Ohne ausreichend NO bleiben die Blutgefäße auch dann verengt, wenn sich der Sportler in Ruhe befindet, wodurch ein Zustand chronischer Hypertonie entsteht, der resistent gegen standardmäßige Lifestyle-Interventionen wie "Cardio" oder "Clean Eating" ist.
Die Wahl der richtigen Managementstrategie
Sportler stehen oft vor einem Dilemma: Sollen sie klinische Medikamente einsetzen oder die zugrunde liegende Blutdicke angehen?
1. Pharmakologische Intervention
Medizinische Kombinationen wie Calciumkanalblocker (z. B. Amlodipin) und Angiotensin-II-Rezeptorblocker (ARBs) (z. B. Valsartan) sind Standard bei klinischer Hypertonie.
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Amlodipin wirkt, indem es die glatten Muskeln der Blutgefäße entspannt.
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Valsartan blockiert das Hormon, das die Gefäße verengt.
Obwohl wirksam, argumentieren einige Sportler, dass diese Medikamente den Druck nur "maskieren", ohne die Dichte des Blutes zu beheben. Darüber hinaus sind einige Antihypertensiva (wie Diuretika oder Betablocker) für Leistungssportler von den Dachverbänden verboten, da sie andere Substanzen maskieren oder die sportliche Leistung beeinträchtigen können.
2. Physiologisches Management: Phlebotomie
Für Sportler, die speziell mit steroidinduzierter Polyzythämie zu tun haben, schlagen viele Ärzte eine therapeutische Phlebotomie (Aderlass) vor. Durch die physische Entnahme einer Bluteinheit wird der Körper gezwungen, das Volumen durch Plasma (Wasser) zu ersetzen, wodurch das Blut effektiv "verdünnt" und der Hämatokrit gesenkt wird. Dies führt oft zu einem sofortigen Blutdruckabfall, da das Herz keine so dichte Flüssigkeit mehr durch das System pumpen muss.
Zusammenfassungstabelle: Blutdruckmanagement bei Sportlern
| Faktor | Mechanismus | Auswirkungen auf den Sport |
| Hoher Hämatokrit | Erhöht die Blutviskosität (Dicke). | Erhöht die Herzbelastung; erhöht das Schlaganfallrisiko. |
| Stickoxid | Fördert die Vasodilatation (Erweiterung). | Verbessert die Durchblutung und senkt den Druck. |
| ARBs/CCBs | Entspannt die Blutgefäßwände. | Wirksam, behebt aber nicht die "Dicke" des Blutes. |
| Phlebotomie | Reduziert die Anzahl der roten Blutkörperchen. | Behebt direkt die Blutdichte. |
Fazit
Für den modernen Sportler ist der Blutdruck kein einstelliger Wert, der mit einer einzigen Pille gelöst werden kann. Es erfordert ein differenziertes Verständnis dafür, wie sich Blutdichte, hormonelles Gleichgewicht und Gefäßgesundheit überschneiden. Regelmäßige Blutuntersuchungen – insbesondere die Überwachung von Hämoglobin und Hämatokrit – sind die einzige Möglichkeit, zwischen "einfacher" Hypertonie und den komplexeren Herausforderungen von dickem Blut zu unterscheiden.

